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Juli 16th, 2010ShowspielereiEs ist unglaublich wie fesch unsere Buam von der Nationalmannschaft doch sind! Und so bodenständig! Da feiert Philipp Lahm seine Hochzeit mit einer großen bayerischen Blaskapelle, einer Pferdekutsche und gerade mal ein paar Hundert Gästen. Diese Bescheidenheit und so deutschtümelig. Wir können uns gar nicht mehr halten!
Und dann ist da noch Thomas Müller mit seiner Lieschen Müller. Ja, da ist ein 20-Jähriger, der gerade erst bekannt wurde, mit seiner jungen Frau doch einfach schüchtern, wenn er auf ein Promi-Event kommt! So süß! Und so bodenständig!
Ach , und wie es menschelt in dieser perfekten Welt des Fußballs! Diese Spielerfrauen sind ja auch so am Boden geblieben und so anders als sonst: Schlank, blond und ständig für ein Interview bereit. Wahnsinn!
Da haben die Boulevard-Medien auch noch lange nach der WM was zu schreiben. Wir sind wieder wer, auch wenn wir nur Dritter geworden sind. Wir Deutschen waren ja auch immer schon so bescheiden und haben uns mit wenig zufrieden gegeben…
Die Deutschen Tugenden kann man so toll an der Deutschen Nationalmannschaft ablesen und die Politiker und Werbefuzzis können so lange an unserem Wir-Gefühl herumschrauben und sich in Fußball-Vergleichen ergehen, bis wir politische Beschlüsse nicht mehr mitbekommen und das Sommerloch gestopft ist.
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Juli 14th, 2010ShowspielereiChanson vom großen Publikum
Wer die Masse kennt, wird auf linksherum
Oder rechtsherum erfolgreich sein,
Wenn er Schwindel macht. Denn das Publikum
Fällt auf jeden Schwindel stets herein.Ganz altaktuell, frech und möglichst dumm,
Breit und kitschig muss die Sache sein,
Denn das Publikum, das große Publikum
Fällt auf jeden Schwindel glatt herein.Von dem Drum und Dran und von dem Dran und Drum
Will es gar nicht unterrichtet sein.
Denn das Publikum, das große Publikum
Fällt auf jeden Schwindel gern herein.Applaudiert ihr jetzt mir? Und wenn ja, warum?
O ich prüfe Euch an diesem Stein!
Denn das Publikum, das große Publikum
Will durchaus, durchaus beschwindelt sein.(Joachim Ringelnatz, 1883-1934)
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Juli 12th, 2010Wahnsinn in Serie
Und die TV-Gurke dieser Woche geht erneut an ProSieben, denn so viel Dummheit, Skrupellosigkeit, Sadismus und Schadenfreude in einer Show vereint, gibt es nur sehr selten zu sehen. Wie es aussieht, versucht der Münchner Sender mit aller Gewalt (und Gewalt ist hier das richtige Wort) das Sommerloch zu füllen und importiert daher ein weiteres Format aus den USA.Bei “Solitary”, das die TV-Gurke der Woche wahrlich verdient hat, werden neun Z-Prombies, die anscheinend keinen anderen Weg mehr ins TV sehen, für bis zu zehn Tage isoliert in kleine Boxen gesteckt. Dort wissen sie weder ob Tag oder Nacht ist, noch wie viel Zeit vergangen ist, ihr einziger Kontakt zur Außenwelt ist eine Computerstimme, die passenderweise noch Alice heißt. Dort eingesperrt werden sie Prüfungen ausgesetzt, wobei ihnen nicht klar ist, ob ihre Kollegen besser oder schlechter sind.
Ihr habt das Dschungelcamp für sadistisch gehalten? Dann wird Solitary all eure Erwartungen übertreffen, denn diese Prüfungen würden eigentlich nach dem Menschenrecht als Folter eingestuft. Sie müssen immer wieder Rätsel und Aufgaben lösen, schaffen sie dies nicht werden sie bestraft, zum Beispiel mit Musikfolter, Liegen auf einem Nagelbett, Essensentzug, die Raumtemperatur wird erhöht, sie werden einer Gehirnwäsche unterzogen etc. Solche und andere Aufgaben gab es jedenfalls im Ami-TV zu sehen. Mal sehen, wie weit ProSieben gehen wird.
Diese absolute Frechheit an Fernsehen startet am 17. Juli um 20:15 Uhr. Die TV-Gurke der Woche wird wahrscheinlich noch mehrfach an diese absolut verblödete Show gehen…
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Juli 9th, 2010Wahnsinn in SerieLandsleute, wir alle sind ungläubig, unwissend, vor den Göttern kriechen wir im Staub, aus dem wir gemacht sind. Und doch sind sie gnädig und lassen uns teilhaben an ihrer unendlichen Weisheit. Wie einst unsere Vorfahren in Delphi, die Vogelschauen in Rom und die Hexenerkennung im Mittelalter blicken wir voller Aber- äh -glaube für einen kurzen Moment in die Augen der Unendlichkeit und vereinen uns in unserem kollektiven Unwissen, auf dass Licht erstrahle am Ende des Tunnels.
Wir grüßen dich, Krake Paul, der du über unser Schicksal entscheidest, uns lenkst und uns den Weg weist. Oh, großer, heiliger und wissender Krake Paul, sei erneut das Sprachrohr der Götter für uns und teile, ja teile dein Wissen mit uns! Wir haben all dem frevlerischen Fortschritt abgeschworen und begeben uns wieder zurück an den Anfang, von dem wir kamen. Wir hätten weiterhin auf die Stimmen und die Riten der Leben vor uns hören sollen und uns nicht dem Glaube hingeben sollen wir kriecherischen Menschen wären besser als die Götter.
Weise uns nun, wo wir wieder als Menschen in unserer gnadenlosen Dummheit vereint sind, den Weg bei der nächsten Schlacht, die wir schlagen müssen auf den Feldern der Ehre. Unser Ruhm und unsere Schmach liegen in deinen Händen, der du das Auge, das Ohr, das Tentakel der Götter bist. Ja, wir sind immer noch Frevler, dass wir auch nach deinem Urteil unsere Fußball-Schlachten austragen, denn du sagtest uns ja bereits den Ausgang.
Als Dank für deine Weisheit werden wir in Zukunft wieder alle unsere Geschicke in deine Hände legen. Du, oh großer Paul, sollst über Krieg und Frieden, König oder Kanzlerin, höhere Kassenbeiträge oder nicht, entscheiden. Wie konnten wir all die Jahrhunderte lang nur die deinen und das Orakel verschmähen, wo wir jetzt doch wissen, dass du dich bereits als großer Paulus vor rund 2.000 Jahren offenbart hast. Tage wie “Peter und Paul” sind ab jetzt nur noch dir gewidmet und deine Wandlung vom Saulus zum Paulus steht in einem ganz neuen Licht. Wir hätten die Welt schon früher begreifen können, nun erkläre du sie uns!



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