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Oktober 18th, 2010ProgrammatismusAch ja, da hat RTL II es so gut gemeint. Nachdem der Sender Promis unter Tiere geschickt hat, zu dicke Kinder in den afrikanischen Busch und verblödete Teenies vermeintlich im Urlaub begleitet hat, rettet man nun die Welt vor Kinderpornographie und – missbrauch. So viele Gutmenschen auf einem Haufen!
Mit einer sonoren und monotonen Bassstimme werden vermeintliche Täter in Fallen gelockt. Dazu noch ein bisschen Grabesmusik und fertig ist der Gruselschocker und Quotenreißer à la Bild-Zeitung. Ja, man ist ja so gut. Da werden Menschen bei der Aufzeichnung im Mai überführt und dann wartet man fünf Monate bis zur Ausstrahlung und sagt keinen Ton zu Behörden oder näherem Umfeld der Männer. Das ist soooo guuut, so dass man sich als Ministergattin auch gleich ranhängen kann. Zwischendurch huscht noch der RTL II-Slogan „It’s Fun“ vor den Werbepausen durchs Bild und schon macht man Quote, so richtig Quote.
Ach so, und natürlich ist die heutige verderbte Zeit und vor allem das böse Konkurrenzmedium Internet daran Schuld, dass es Pädophilie gibt. Das gab es ja nicht auch schon vor Hunderten von Jahren… Ja, da haben die Gutmenschen das Problem doch absolut begriffen und unternehmen tatkräftig etwas dagegen! Lösungen? Fehlanzeige. Wie man Kindern wirklich helfen kann? Fehlanzeige! Schöne neue Welt!
Übrigens, die sogenannten Lockvogel-Chats sind dermaßen überzogen. Als ob 13-jährige Mädels wirklich so blöd sind und so freizügig und naiv auf solche Fragen antworten! Die meisten Missbrauchsfälle passieren im privaten Umfeld, hier müsste man u.a. ansetzen! Stattdessen wird mit fast schon überchristlicher Moral im Grunde nur das Internet dämonisiert und sonst nichts!Darüber hinaus absolut keine Beweise und kein journalistischer Ansatz! Eine Frechheit und eine absolute Herabsetzung der Kinder und Jugendlichen, als ob sie alle naiv wären und keinerlei Ahnung von Sex hätten bzw. keinerlei Gespür für Bedrängnis und Verletzung der Intimsphäre!
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Oktober 11th, 2010ProgrammatismusEklat, Skandal, Oh mein Gott beim Deutschen Fernsehpreis! Da hat man vor ein paar Jahren so ein großes Aufsehen um Marcel Reich-Ranicki gemacht und der eigentliche Skandal, der schon im Vorfeld bekannt war, wird nicht wirklich erklärt.
Ja, liebe Freunde der „guten“ Unterhaltung, in diesem Jahr wurde der Fernsehpreis reformiert. Und da wir anhand der Gesundheitsreform sehen konnten, wie viel Reform wirklich im und hinter dem Wort Reform steckt, wurde kräftig ausgesiebt und das zu Gunsten der Film- und Fernsehschaffenden!
Der Stifterkreis (ARD, ZDF, RTL, Sat1) wollte nach eigenen Aussagen den „Teamgedanken des Fernsehgeschäfts“ in den Vordergrund stellen. Natüüüürlich! Daher hat man mal einfach alle kreativen Kategorien rausgeschmissen, wie Beste Regie, Beste Nebenrollen, und sich auf mehr oder weniger sinnvolle Kategorien beschränkt. Genaueres dazu u.a. hier… Drei Millionen Mal „Beste Leistung“ und tausend Ehrenpreise. Damit man auch nicht genau sagen kann, warum man den Preis nun an sich selbst vergibt!
Schön war auch, dass man den alljährlichen Branchentreff in ein Zwangs-Dinner umfunktioniert hat, bei dem die Journalisten nicht wirklich zugelassen waren. Von Anfang bis Ende wurde alles und jeder kontrolliert. Damit zeigte der sogenannte Stifterkreis sehr deutlich, was ihm diejenigen, die für sie arbeiten, wert sind: Nämlich nichts. Schauspieler, Kreative, Journalisten und Co. sind nur Fußvolk, das man von vorne bis hinten verwursten kann und dann mit billigen Produzentenpreisen abspeist. Schöne bunte Scheinwelt! Gut, dass sich dies viele nicht gefallen ließen! Die Fernsehlandschaft wird schon auf Dauer sehen, was sie davon hat…
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September 30th, 2010Programmatismus
Dank der riiiiesigen und wirklich siiiinnvollen Erhöhung des Hartz-IV-Satzes, geistern sie aktuell mal wieder durch die Medien: die Klischess vom Arbeitslosen. Da räkelt sich der Asso in seiner Messi-Wohnung auf dem garantiert stinkenden Sofa zwischen Hundehaaren und Bierlachen, die letzten paar Haare fettig, die Haut pickelig und unrasiert.Auf seinem Pulli aus den 90er Jahren steht groß irgendein Spruch mit Titten oder Bier und in der dauerberieselnden Glotze läuft Richterin Barabara Salesch wie sie das genaue Ebenbild des Prolo-Glotzers zur Todesstrafe verurteilt. Tod durch Vorurteil aufgrund von mangelnder Leistung!
Ein Programm weiter schlägt ein langzeitarbeitsloser Alkoholiker mit dem abgewetzten Gürtel seines ebenfalls alkoholkranken Vaters auf seine zugedröhnten Kinder ein. Ein Kind konnte dem rasenden Vater entkommen, denn es wurde zu lebenslanger Haft im Gefängnis von Jörg Kachelmann verurteilt. Die fette Mutter sitzt auf der Couch, lutscht an den Chips und schaut fassungslos und dumpf ins Leere.
Ja, liebe Leute, so sehen Hartz IV Empfänger aus, zumindest in den Köpfen der Medien! Alle sind Assis, alle sind Alkoholiker! Und dazwischen räkeln sich Professoren und die Oberschicht in ihren Maßanzügen und besprechen die soziale Frage…
Schon interessant, dass in Zeiten, in denen es der Wirtschaft und unserem Land schlecht geht, in denen jeder von uns von heute auf morgen seinen Arbeitsplatz verlieren kann, solche Vorurteile und Klischees hochgehalten werden. Klar, jeder, der seinen Arbeitsplatz verliert, wird augenblicklich zum Zeitpunkt der Kündigung Alkoholiker, verliert seine Haare, seine Kleidung zerfällt und sein Bauch wächst. Zudem weiß ja auch jeder, dass der Arbeitsplatz direkt mit dem Sprachzentrum verbunden ist. Verliert man also seinen Job, lässt auch die Fähigkeit zu sprechen nach. Also, liebe Bourgeoisie, bloß nicht arbeitslos werden, sonst sind Bildung und Manieren dahin… Wie Medien die Bilder in unserem Kopf prägen…
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September 27th, 2010Programmatismus
Da schielen sie schon wieder auf die Quoten, die Quotenkacker vom TV. War die relevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen auch zufrieden mit unserem Programm. Nein? Dann gehört das Ganze abgesägt! Wer ist in und wer ist out, wird uns schon die Quote sagen und vor allem wie der Teil des Publikums, der wichtig für die Werbung ist, es gefunden haben soll. Fragt sich nur, wer heutzutage hier wichtig ist? Ist die alte Zielgruppe nicht inzwischen passé, quasi eine veraltete Maßeinheit wie die Elle?
Die 14-Jährigen glauben die Werbung noch, können sich die Produkte aber nicht leisten, bei vielen 49-Jährigen könnte dies anders herum sein, ist es aber leider nicht. Und so schielen sie wieder auf die Quoten, die Quotenkacker vom TV.
Jeder, der nicht zur werberelevanten Gruppe gehört, ist in ihren Augen ganz klar ein unwerter Zuschauer und damit auch nicht existent. Blöd nur, dass inzwischen die 60-Jährigen nicht selten so fit sind wie die End-40er, dabei aber noch mehr Geld haben. Da lassen sich die Quotenkacker ein ganz schönes Geschäft durch die Lappen gehen.
Irgendwie scheinen sie die Begriffe Masse und Klasse mit Masse und Kasse zu verwechseln und so ist alles klasse, was Kasse macht. Dadurch verlieren wir viele gute Sendungen, die keine Chance aufgrund von Quote bekommen! Zeit, das sich auch hier etwas ändert!
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